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Eine Zukunft für meinen Sohn und Perspektiven für andere

Eine Frau mittleren Alters steht gebückt vor einem Mädchen und hält zwei Finger hoch.
Jelena bei der Arbeit mit einer jungen Patientin.

Eine Zukunft für meinen Sohn und Perspektiven für andere

Mein Name ist Jelena. Ich bin 35 Jahre alt und habe zwei Söhne. Ein Sohn hat Autismus. Ich bemühte mich, ihm zu helfen. Dabei erkannte ich, dass ich auch andere unterstützen kann. Ende 2020 habe ich mit Unterstützung des Deutschen Informationszentrums für Migration, Ausbildung und Karriere (DIMAK) und der Partnerorganisation HELP meine Therapie-Praxis „Senzor Gym“ gegründet. Dort helfe ich Kindern mit Behinderungen, Bewegungen zu erlernen – von einfachen Handgriffen bis hin zu feinmotorischen Fähigkeiten. Ich glaube fest daran, dass ich noch viel mehr tun kann.

Ein kleiner Junge sitzt auf einem Kinderfahrrad mit beiden Füßen auf den Pedalen. Eine Frau hockt daneben und stützt den Jungen.
Jelena hilft einem Jungen mithilfe eines Fahrrads, Bewegungen zu erlernen.

Meine Geschichte und die meines Sohnes

Meine Familie lebte im Kosovo, floh aber während der Kriege in den 1990er-Jahren nach Serbien. Zunächst lebten wir in dem Ort Prokuplje, wo ich meinen Sohn bekam. Ich merkte bald, dass er sich anders entwickelte als andere Kinder. Als er zwei Jahre alt war, wurde bei ihm Autismus festgestellt. Das ist eine Entwicklungsstörung, bei der Menschen Probleme im sozialen Umgang und in der Kommunikation mit anderen Menschen haben. Sprache und Bewegungsfähigkeiten können eingeschränkt sein.

Die Ärzte warnten mich: Mein Sohn werde nie ein normales Leben führen können. Ich habe mich geweigert, das zu akzeptieren. Heute, mit zwölf Jahren, geht er zur Schule, hat Freunde, mag Kunst und Sport. Mein anderer Sohn ist sechs Jahre alt und hat keine gesundheitlichen Probleme.

Aber der Weg war schwierig. Wir mussten nach Niš umziehen, weil es woanders keine Therapie für ihn gab. Selbst hier gibt es viel weniger Therapiemöglichkeiten als in Belgrad, sodass wir oft die lange Hin- und Rückfahrt auf uns genommen haben. Ich bin von Beruf Physiotherapeutin. Schließlich begann ich, bei einer Logopädin zu arbeiten. Mein Sohn war dort Patient. Ich stellte fest, dass es mir durch die Arbeit mit meinem Sohn leichter fällt, autistische Kinder zu verstehen. Ich habe gelernt, wie man diesen Kindern auf Augenhöhe begegnet.

Ein junges Mädchen springt Trampolin. Eine Frau steht neben dem Trampolin und hält das Mädchen an den Händen fest.
Gemeinsam bewegen: Auch Trampolinspringen gehört in Jelenas Praxis dazu.

Die Chance für Unterstützung ergreifen

Vor ein paar Jahren stellte HELP bei einem Treffen von Eltern autistischer Kinder ein Unterstützungsprogramm vor. Das Programm richtet sich an Menschen, die ein eigenes Unternehmen gründen wollen, um Kinder mit besonderen Bedürfnissen zu unterstützen. Schon während des Vortrags hatte ich meine zukünftige Praxis vor Augen. Ich reichte wenig später ein Projekt ein – und es wurde genehmigt.

HELP schickte mir Ausrüstung, die ich mir sonst nicht hätte leisten können. Mein Bruder stellte mir ein kleines Haus zur Verfügung. Es war baufällig und sollte abgerissen werden. Aber wir renovierten es, und ich begann zu arbeiten. In diesem Jahr hat mich das DIMAK mit einem Beratungs- und Mentorenprogramm unterstützt. Einige andere Start-ups und ich bekamen umfangreiche Online-Beratung zum Management und für die Weiterentwicklung unserer Unternehmen. Das war sehr hilfreich, denn ich führe zum ersten Mal ein Unternehmen.

Das Programm umfasst fünf Module, in denen die Teilnehmenden lernen, wie man ein Unternehmen führt. Behandelt werden die Themen Unternehmertum, E-Business, Marketing, Geschäftskommunikation und -kultur sowie Innovation. Zudem werden die Teilnehmenden individuell von Mentorinnen und Mentoren betreut. So entwickeln sie gemeinsam neue Geschäftsideen. Damit ich auch während der Corona-Pandemie weiterarbeiten konnte, stellte das DIMAK Desinfektionsmittel und einen Luftfilter zur Verfügung.

Ein junges Mädchen läuft auf einem Laufband und spielt währenddessen ein Spiel. Eine Frau steht daneben und sieht zu.
Für die Therapie gibt unterschiedliche Mittel, auch ein Laufband und Kinderspiele.

Ich bin stolz auf das, was ich tue. Jetzt möchte ich mehr tun.

Ich bin stolz. Es war und ist eine schwierige Zeit. Aber trotz alledem etabliert sich meine Praxis. Ich kann vielen Kindern und ihren Familien helfen. Neben meiner Praxis gibt es in Südserbien nur eine weitere, die sensorische Therapie für Kinder mit Autismus anbietet. Inzwischen habe ich Kurse für sensorische Therapie am Belgrader Institut für psychische Gesundheit beendet. Solche Angebote sind toll für autistische Kinder, weil wir Therapeutinnen und Therapeuten durch die Ausbildung besser verstehen, wie man den Kindern helfen kann. Und vieles davon habe ich selbst schon gelernt, als ich meinen Sohn großzog.

Die Eltern bringen ihre Kinder oft von weit her. Ich bekomme Anrufe von vielen Familien, die Unterstützung für ihre Kinder brauchen. Zurzeit prüfe ich Möglichkeiten, um mein Unternehmen zu vergrößern. Ich könnte zum Beispiel eine Sprachtherapeutin oder einen Sonderpädagogen einstellen. Dann könnten Kinder die gesamte Therapie an einem Ort machen. Die ersten Schritte sind getan, aber klar ist auch: Es gibt in diesem Bereich noch viel für mich zu tun.

Stand: 12/2021

Die hier beschriebenen Möglichkeiten der Beratung und Unterstützung werden angeboten im Rahmen von „Perspektive Heimat“.

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Ich bin stolz. Es war und ist eine schwierige Zeit. Aber trotz alledem etabliert sich meine Praxis. Ich kann vielen Kindern und ihren Familien helfen.
Jelena

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