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Schritt für Schritt wieder ankommen

„Keine Selbstzweifel!“ Das empfiehlt Navid* oft, wenn er mit Menschen telefoniert, die aus Deutschland oder anderen europäischen Ländern nach Afghanistan zurückgekommen sind. „Viele haben das Gefühl‚ gescheitert zu sein“, sagt er. „Sie schämen sich, zu ihren Familien auf dem Land zurückzugehen und bleiben oft in den großen Städten Kabul, Herat oder Mazar-e Sharif.“

Mit telefonischer und virtueller Beratung helfen Navid und sein Team den Menschen dabei, sich eine neue Existenz aufzubauen. Unter anderem vermitteln sie die Rückkehrerinnen und Rückkehrer an Partnerorganisationen, die in den jeweiligen Städten und Provinzen aktiv sind. Die Beratung läuft über das Programm „Perspektive Heimat“, das die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umsetzt.

„Das Einleben dauert etwa ein Jahr“

„Bis sich die Menschen wieder eingelebt haben, dauert es etwa ein Jahr“, so Navids Erfahrung. Sie müssten nicht nur eine neue Arbeit finden, sondern sich auch gesellschaftlich integrieren – eine große Herausforderung für die Rückkehrer, meist junge Männer.

Navid und sein Team wollen den Menschen Perspektiven in Afghanistan aufzeigen. Wie gehen sie dabei vor? „Wenn jemand zum ersten Mal anruft, stellen wir Schritt für Schritt unsere Dienstleistungen vor.“ Zudem informieren die Beraterinnen und Berater über mögliche finanzielle Zuschüsse zu den Kosten für eine Unterkunft oder zur Anschaffung von Haushaltsgeräten sowie zu möglicher Unterstützung durch Sachleistungen. Nach dem ersten Gespräch recherchieren sie weitere passende Anlaufstellen: Partnerorganisationen der GIZ, die sich auf berufliche, soziale, gesundheitliche oder bildungstechnische Fragen spezialisiert haben.

Das Team weist auf verschiedene Programme und Trainings hin. Eines davon hilft den Menschen dabei, mehr Selbstständigkeit zu erlangen: Für vorübergehende Arbeitseinsätze erhalten sie Bargeld und knüpfen über die Jobs soziale Kontakte.

Weitere Programme unterstützen Rückkehrerinnen und Rückkehrer beispielsweise beim Aufbau eines eigenen kleinen Unternehmens. Zum Fortbildungsangebot gehören zudem Trainings für technische Berufe wie Klempner oder Schneider. Weitere Informationen hierzu finden Rückkehrerinnen und Rückkehrer auf www.startfinder.de.

Hohe Nachfrage nach psychosozialer Unterstützung

Viele Menschen, die sich beim Beratungsteam melden, erkundigen sich auch nach psychosozialen Unterstützungsleistungen . Depressionen und Traumata erschweren häufig den privaten und beruflichen Alltag. Hier können die Beraterinnen und Berater zum Beispiel auf das Programm „Kulba-ya man“ (zu Deutsch etwa „unsere Hütte“) verweisen. Die GIZ setzt es gemeinsam mit der „International Psychosocial Organization“ (Ipso) um. Die Partner schaffen soziale Begegnungsräume, in denen Rückkehrerinnen und Rückkehrer auf Menschen mit ähnlichen Erfahrungen treffen.

* Name geändert

Stand: 08/2020

Wenn jemand zum ersten Mal anruft, stellen wir Schritt für Schritt unsere Dienstleistungen vor.
Navid