Direkt zum Inhalt
Menü

Die Unterstützung beginnt schon am Flughafen

Ein Mann mit einer Sonnebrille sitzt an einen Schreibtisch und hat einen Laptop vor sich.
Hamid*, Projektmanager bei AWARD

Die Organisation AWARD begleitet insbesondere Frauen und junge Rückkehrer dabei, sich in Afghanistan eine Existenz aufzubauen. Sie ist Partner des Programms „Perspektive Heimat“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Dabei kooperiert sie eng mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, die das Programm umsetzt. Programm-Manager Hamid* über Ziele und Angebote der „Afghan Women Association for Rehabilitation and Development“.

Was ist der Ansatz von AWARD?
Begonnen hat unsere Arbeit bereits 1995. Während des afghanischen Bürgerkriegs leisteten wir humanitäre Unterstützung in einem Flüchtlingscamp in Masar-e-Sharif. Wir stellten Nahrungsmittel zur Verfügung und boten Schulungen für Frauen an. Bis heute ist die Unterstützung von Frauen einer unserer Schwerpunkte. Es kann nicht sein, dass die Hälfte der Bevölkerung ignoriert wird. Nach wie vor werden Frauen in Afghanistan oft nicht ernst genommen und haben keine Stimme in der Gesellschaft. Wir beziehen sie auf allen Ebenen unserer Arbeit mit ein. Als Organisation bieten wir Räume, in denen sie sich frei äußern können und ihnen jemand zuhört.

Eine Frau steht an einer Tafel und erklärt etwas. Vor ihr stehen vier junge Männer. Vor ihnen auf dem Tisch liegen Stoffe.
Eine AWARD-Trainerin mit Teilnehmern einer Fortbildung in einer Schneiderei

Welche Rolle spielen Ausbildung und Arbeit?
Finanzielle Stabilität und ökonomische Unabhängigkeit sind für uns zentral. Deshalb bietet AWARD Frauen und Männern theoretische und praktische Ausbildungen an. Dadurch können sie am Wiederaufbau des Landes teilhaben. Insgesamt umfasst unser Programm die Bereiche Gesundheit, Bildung, Beruf und Karriere sowie landwirtschaftliche Produktion. Wir arbeiten dafür mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie anderen internationalen Organisationen zusammen. Wir wollen alle Afghaninnen und Afghanen befähigen zu arbeiten und benachteiligen niemanden aufgrund von Geschlecht oder Herkunft.

Wie erreichen Sie Rückkehrende aus Deutschland und was bieten Sie ihnen konkret an?
Unsere Angebote richten sich vor allem an Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Deutschland. Wir nehmen sie am Flughafen in Empfang, vermitteln ihnen eine Unterkunft für die ersten Tage sowie Haushaltsgegenstände und Startgeld für Miete oder Renovierungen. Innerhalb weniger Monate konnten wir bereits 144 Zurückgekehrte unterstützen. Die meisten sind junge Männer im Alter von 18 bis 26 Jahren. Weitere Angebote richten sich an Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus anderen EU-Ländern. Darüber hinaus unterstützen wir Rückkehrende aus Pakistan und Iran, Vertriebene innerhalb Afghanistans sowie Witwen und Familien, die Angehörige durch politisch motivierte Gewalt verloren haben.

Fünf junge Männer beugen sich über einen Tisch mit technischen Bauteilen.
Junge Afghanen in einer technischen Schulung von AWARD

Welche Arbeitsmöglichkeiten bieten Sie Rückkehrerinnen und Rückkehrern aus Deutschland und der EU an?
Wir bieten eine Reihe von arbeitsfördernden Dienstleistungen und Hilfe zur Selbsthilfe an: Im Rahmen eines „Cash for work“-Programms etwa werden Rückkehrerinnen und Rückkehrer für 40 Tage angestellt und erhalten am Ende jedes Tages einen Lohn. Dafür arbeiten wir mit der Stadtverwaltung von Kabul zusammen. Die Stadt stellt die Rückkehrenden als Gärtnerinnen und Gärtner, Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter oder als Reinigungspersonal an, um Schulen, Parks und Waisenhäuser zu pflegen. Auch eine Schulung in der Buchhaltung der Stadt ist möglich.

In welchen Bereichen bilden Sie noch aus?
Wir bieten Ausbildungen in Mobiltelefonreparatur, Rohrverlegung, Schneiderei und Design an. Dazu kooperieren wir mit afghanischen Firmen. Zum Beispiel arbeiten wir mit dem nationalen Marktführer in der Produktion von Wasserrohren zusammen. Wir bilden Interessierte in der Rohrverlegung aus und stellen sie nach Ende der sechsmonatigen Schulung der Firma vor. So haben sie gute Chancen auf einen Job. Zudem stellen wir Werkzeug für die Zeit nach der Ausbildung bereit. So müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich nicht durch den Kauf einer Erstausstattung verschulden.

Beraten Sie auch zur Existenzgründung?
Ja. Die Schulungen sind nach den Richtlinien der Internationalen Arbeitsorganisation ILO aufgebaut. Sobald die Teilnehmenden gemeinsam mit uns ihren Geschäftsplan entwickelt und die Ausbildung abgeschlossen haben, stellen wir ihnen eine Starthilfe zur Verfügung, um ihre Geschäftsidee umzusetzen. Wir fördern angehende Unternehmerinnen und Unternehmer zum Beispiel in der Viehzucht, im Online-Marketing oder in der Fremdsprachenlehre. Unsere Erfahrungen zeigen: Afghanistan hat viel Potenzial in unterschiedlichen Bereichen.

*Name geändert

Stand: 04/2021

Wir wollen alle Afghaninnen und Afghanen befähigen zu arbeiten und benachteiligen niemanden aufgrund von Geschlecht oder Herkunft.
Hamid*