Direkt zum Inhalt
Menü

Frauen Hoffnung auf gutes Leben geben

Neue Perspektiven für Frauen bietet der Verein „Amal“.

Frauen Hoffnung auf gutes Leben geben

Der Verein „Amal“ arbeitet eng mit dem Deutsch-Tunesischen Zentrum zusammen. Das gemeinsame Ziel: Frauen in schwierigen Situationen beraten, begleiten und ausbilden.

Der tunesische Frauenverein hat seinen Namen „Amal“ ganz bewusst gewählt: Das arabische Wort bedeutet „Hoffnung“. Und dieses positive Gefühl will das Team vermitteln und ledigen Müttern neue Lebensperspektiven geben. Seit 2019 arbeitet „Amal“ mit dem Deutsch-Tunesischen Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration (CTA) zusammen.

„Jedes Jahr erlernen etwa 100 Frauen bei uns einen Beruf“, erzählt Hajer, Leiterin des Berufsbildungszentrums von Amal. „Vor den Kursen veröffentlichen wir Teilnahme-Aufrufe auf der Facebook-Seite des Vereins und des CTA.“ Zu den Teilnehmerinnen gehören auch Frauen aus Subsahara-Afrika, die auf ihrer Flucht Opfer von Menschenhändlern geworden und in Tunesien gestrandet sind.

Die Ausbildung zur Konditorin ist nur eine von vielen im Berufsbildungszentrum.

Das Berufsbildungszentrum wurde bereits 2003 von Amal eröffnet. Hajer leitet es seit 2018. Aus ihrer vorherigen Arbeit in einem Frauenhaus kannte sie besonders die Not von ledigen Müttern. Sie würden von der Gesellschaft und oft von ihren eigenen Familien verstoßen und stünden allein da. Deshalb sei es so wichtig, dass der Verein viel mehr als eine Berufsausbildung anbiete.

Nicht allein in schweren Momenten

Um das seelische Wohl der Frauen kümmern sich während der gesamten Ausbildung Psychologen und Psychologinnen. In individuellen Gesprächen und in Gruppensitzungen werden sie begleitet und, wenn nötig, an eine psychiatrische Betreuung weitervermittelt. „Mit unserer ganzheitlichen Herangehensweise haben wir in Tunesien Pionierarbeit geleistet“, sagt Vereinspräsidentin Samia.

In Tunesien gebe es jährlich im Durchschnitt 1000 außereheliche Geburten. 40 Prozent der Mütter würden ihre Babys behalten und nicht in staatliche Betreuung geben. „Der Verein unterstützt die Frauen, sich sozial und wirtschaftlich in die Gesellschaft zu integrieren“, sagt Samia. „Sie werden durch uns befähigt, Kompetenzen zu entwickeln, um ihren Schutz in die eigenen Hände zu nehmen. Vor allem sollen auch bessere Bedingungen für die Kinder geschaffen werden.“ Damit die Jungen und Mädchen zu ihrem Recht kommen, gehört auch juristischer Beistand etwa zur Anerkennung von Vaterschaften zum Angebot von Amal.

Um das alles leisten zu können, arbeiten in und mit dem Verein neben Ehrenamtlichen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen mit: Sozialarbeit, Rechtsberatung, Psychologie, Psychiatrie, Kindermedizin und Berufsausbildung. Mit diesem Wissen und Angebot ist der Verein zu einer landesweiten wichtigen Anlaufstelle sowohl staatlicher als auch privater Einrichtungen und Organisationen geworden.

Alle erreichen einen beruflichen Abschluss

Zu jenen, die von dem konkreten Angebot profitiert haben, gehört auch Rückkehrerin Maha*. Sie konnte nach mehreren Jahren der Migration in Europa mithilfe von Amal und dem Deutsch-Tunesischen Zentrum einen eigenen Viehzuchtbetrieb in Tunesien aufbauen. Neben psychologischer Hilfe erhielt sie ein dreimonatiges landwirtschaftliches Training, Beratung und finanzielle Mittel.

Auch die künftigen Pflegekräfte, Konditorinnen, Köchinnen und Schneiderinnen im Berufszentrum haben gute Chancen, sich eine gesicherte Existenz zu schaffen. Nach der Ausbildung bleiben sie noch sechs Monate mit Amal in Kontakt. „Wir begleiten sie dabei, einen Lebenslauf, ein Motivations- und Bewerbungsschreiben aufzusetzen“, sagt Hajer. Der Verein helfe ihnen zudem, eine Anstellung mit einer soliden Bezahlung zu finden. Stolz fügt sie hinzu: „Bei uns machen alle ihren Abschluss. Die Erfolgsquote liegt bei 100 Prozent.“

Stand: 01/2023

 

*Name von der Redaktion geändert

Wir haben mit unserem Frauenverein in Tunesien Pionierarbeit geleistet.
Samia

Weitere Erfahrungen