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Gestärkt für einen Neuanfang in Tirana

Eine Frau mit einem blonden Pferdeschwanz sitzt mit dem Rücken zur Kamera an einem Tisch. Ihr gegenüber sitzt eine Frau mit dunkeln Haaren und hält eine Broschüre hoch und schaut die blonde Frau an.
Die Beratung durch das Team von DIMAK war für Ana wichtig.

Gestärkt für einen Neuanfang in Tirana

Mein Name ist Ana und ich bin 29 Jahre alt. Inzwischen arbeite ich in einem Callcenter in Albaniens Hauptstadt Tirana. Hier kann ich meine Sprachkenntnisse einsetzen, die ich im Ausland erworben habe.

Aber der Reihe nach: Mit 17 Jahren hatte ich die weiterführende Schule in Albanien abgebrochen, um zu heiraten. Kurz nach meiner Heirat bekam ich einen Sohn. Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, einmal einen guten Job zu haben.

Als junge Frau hatte ich nur sehr schlecht bezahlte Jobs oder gar keine. Damals trug ich Kopftuch, denn der Islam ist meine Religion. In Albanien war es in der Vergangenheit lange Zeit verboten gewesen, eine Religion auszuüben. Das hatte sich zwar 1990 bereits geändert, aber ich fand es trotzdem schwer, mit Kopftuch eine Arbeit zu finden. Ich fühlte mich ausgegrenzt. Und ich hatte auch keine Qualifikationen.

Flucht vor Gewalt in der Ehe


In dieser Situation bin ich 2015 mit meinem damaligen Mann und meinem Sohn nach Deutschland gegangen. Wir lernten die Sprache und unser Sohn wurde eingeschult. Als unser Antrag auf Asyl abgelehnt wurde, sind wir wieder nach Albanien zurückgekehrt. Wir sind knapp ein Jahr geblieben. Doch die Lage hatte sich für uns nicht verbessert. Für mich wurde das Leben noch schwerer, denn mein Mann hat mir psychische und körperliche Gewalt angetan. Ich wollte weg von ihm, aber das gelang mir erst 4 Jahre später. 2019 wurde ich geschieden.

Verzweiflung in der Corona-Pandemie


In der Zwischenzeit hatten wir noch versucht, gemeinsam in Spanien zu leben und zu arbeiten. Aber auch hier konnten wir nicht bleiben. 2020 bin ich mit meinem Sohn nach Albanien zurückgegangen. Doch durch die Corona-Pandemie hatte sich dort die wirtschaftliche Situation weiter verschlechtert. Alles war unerträglich. Ich bin wieder nach Spanien gegangen, wo meine Schwester lebt. Aber auch dort konnte ich nicht genug Arbeit finden. Deshalb sind mein Sohn und ich nach Deutschland weitergezogen. In all den Jahren hatte ich immer wieder mit Deutschkursen meine Sprache verbessert. Ich habe auch Computerkurse genommen. Ich wollte lernen. In Deutschland konnten wir nur wenige Monate bleiben, dann bekam ich eine Ablehnung meines neuen Asylantrags. In dieser Zeit habe ich jeden Tag geweint.

Kontakt mit DIMAK schon von Deutschland aus


Noch in Deutschland habe ich über Hilfsorganisationen Informationen über das Deutsche Informationszentrum für Migration, Ausbildung und Karriere (DIMAK) bekommen. Über meine Rückkehrberatung habe ich online Kontakt mit dem DIMAK aufgenommen. Das Team hat mich schon aus der Ferne über die mögliche Unterstützung bei der Rückkehr informiert.

Hilfe beim Neustart und bei der Job-Suche


Als ich dann im Dezember 2021 mit meinem Sohn nach Tirana zurückgekehrt bin, habe ich das DIMAK angerufen. Das Team hat mich freundlich empfangen und an die Hilfsorganisation „Different and Equal“ (übersetzt: Verschieden und doch gleich) vermittelt. Dort wurde ich dabei unterstützt, eine Wohnung zu finden und wichtige Dokumente wie meine Scheidungspapiere übersetzen zu lassen. Auch die psychosoziale Begleitung durch einen Psychologen war wichtig, um wieder emotionale Stabilität zu bekommen. Mein Sohn ist inzwischen auch wieder in der Schule und lernt Albanisch. Nach beruflicher Beratung durch das DIMAK und „Different and Equal“ habe ich dann im Januar 2022 eine Stelle in einem Callcenter gefunden. Ich habe auch den Kontakt zu meinen Eltern wieder aufgenommen, der über die Jahre verloren gegangen war. Jetzt bin ich zuversichtlich. Und wenn ich eines vom Leben gelernt habe, dann dass Frauen wirklich stark sind. Ganz gleich was passiert, wir geben nicht auf.

Stand: 07/2022

Dieser Text ist in einfacher Sprache geschrieben. So stellen wir sicher, dass er für alle Interessierten gut verständlich ist.

Frauen sind wirklich stark. Ganz gleich was passiert, wir geben nicht auf.
Ana

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