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Frauen bei der Rückkehr helfen – seit 30 Jahren

Auf den sehr unterschiedlichen Kunstwerken sind meist Frauenfiguren zu sehen.
Eine Collage der Kunstwerke der Ausstellung „Rückkehr in Würde. Chancen für ein selbstbestimmtes Leben“

Frauen bei der Rückkehr helfen – seit 30 Jahren

Die Organisation SOLWODI (Solidarity with Women in Distress), Partnerin der GIZ, berät und begleitet schon seit 1985 Frauen in Notsituationen, die beispielsweise Menschenhandel, Zwangsprostitution oder Beziehungsgewalt erfahren haben.

Ihr Rückkehr- und Reintegrationsprogramm entstand vor 30 Jahren. Anlässlich dieses Jubiläums ist bis zum 21. Oktober 2022 eine Ausstellung mit dem Titel „Rückkehr in Würde. Chancen für ein selbstbestimmtes Leben“ im Frauenmuseum Bonn zu sehen. Dort sind Werke von 37 Künstlern und Künstlerinnen ausgestellt, die sich mit den Lebenswegen einiger ihrer Klientinnen befassen.

Die GIZ unterstützt das Engagement SOLWODIs im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seit 2017. SOLWODI arbeitet beispielsweise mit den Beratungszentren in den Herkunftsländern ihrer Klientinnen zusammen. So wird den Frauen eine Perspektive im Herkunftsland eröffnet.

Im Interview spricht Gudrun Angelis, seit 2016 im Vorstand von SOLWODI, über Impulse der Ausstellung und wie man in der Rückkehrberatung voneinander lernen kann.

 

Eine Frau sitzt vor einem Laptop, sie lächelt und blickt auf den Bildschirm. Sie streckt den Arm wie zum Jubel in die Höhe.
Yes!“, 80 x 60 cm, Öl auf Leinwand, 2022 von Bettina Hauke. Das Bild befasst sich mit Grace. Dank der Unterstützung durch SOLWODI konnte sie inzwischen einen Minimarkt in Ghana eröffnen.

Frau Angelis, anlässlich des Jubiläums haben Sie eine Ausstellung konzipiert und organisiert. Warum haben Sie diesen künstlerischen Ansatz gewählt?


Ich glaube, dass man über Kunst sehr viel transportieren und neue Blickwinkel eröffnen kann. Die Idee dahinter ist, dem Publikum eine andere Zugangsweise zu dem Thema zu ermöglichen, als es ein einzelner langer Text tut. Durch die künstlerische Aufbereitung verweilen die Besucher und Besucherinnen sehr lange in der Ausstellung und lesen auch die Geschichten der Frauen, um die sich die Werke drehen.
 

Wem legen Sie die Ausstellung besonders ans Herz?


Die Ausstellung ist wichtig, um Sensibilität für unsere Klientinnen und ganz allgemein für geflüchtete Menschen zu schaffen. Wir richten uns einerseits an die breite Bevölkerung. Ein paar der Besucher wussten beispielsweise gar nicht, dass es heutzutage noch Menschenhandel gibt. Aber wir richten uns auch an Fachkräfte, die beispielsweise in der Flüchtlingsberatung tätig sind, die in der Ausstellung auch einen neuen Zugang zu dem Thema finden können. Die Besucher und Besucherinnen spüren, was die Frauen auf ihrem Weg alles erleben mussten und dass das individuelle Wohl der Klientin an erster Stelle stehen muss. Jedem Menschen, der die Ausstellung besucht, zeigt sie neue Aspekte des Themas auf.

Eine Frau steht mit gesenktem Blick in einem Friseursalon, den sie mit einem Besen fegt.
„Home Sweep Home (Die Heimkehrerin)“, Öl auf Holz, 60 x 80 x 4 cm, 2022 von Betty Wirtz. Das Bild ist Wirtz’ Arbeit zur Albanerin Donika. Dank der Unterstützung hat sie nun die Aussicht, ihren eigenen Friseursalon in Albanien zu eröffnen.

Wie hat sich das Rückkehr- und Reintegrationsprogramm von SOLWODI seit seiner Entstehung vor 30 Jahren weiterentwickelt?


Zentrale Inhalte sind seit 1992 die Rückkehrberatung und auch die Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Reintegration durch eine Anbindung an Partnerorganisationen vor Ort. Die Unterstützungsleistungen und finanzielle Hilfen orientieren sich immer an den Interessen der Rückkehrerin und die Beratungen finden unabhängig und ergebnisoffen statt. Neu ist vor allem, dass wir seit 2018 auch einen Lehrgang als reintegrationsvorbereitende Maßnahme anbieten. Dabei geben wir unseren Klientinnen konkrete Hilfestellungen, wie sie ihre Existenz im Herkunftsland aufbauen können. Am Ende dieser Maßnahme steht eine kleine Abschlussprüfung. Wir setzen das zusammen mit der Weiterbildungsgesellschaft der IHK um.

Es macht die Frauen besonders stolz, am Ende ein Zertifikat in der Hand zu halten, weil sie dann ihrem sozialen Umfeld etwas vorzuweisen haben, wenn sie in ihr Land zurückkommen. Man muss bedenken, dass viele unserer Klientinnen Analphabetinnen sind und das erste Mal überhaupt eine Prüfung machen. Seit einigen Jahren liegt unser Augenmerk außerdem auf den Kindern unserer Klientinnen, weil viele von ihnen in Deutschland aufgewachsen sind und das Herkunftsland ihrer Mutter nicht kennen.

Eine Frau in rotem Gewand blickt den Betrachter an und hält einen Fisch in den nach vorne gestreckten Händen.
„The proud fisherwoman“, Acryl auf Leinwand, 80 x 60 cm, 2022 von Anja Ziegler. Das Bild ist Zieglers Arbeit zu Mai, die aus Vietnam nach Deutschland kam. Auch dank der Unterstützung durch SOLWODI hat sie nun ein Fischgeschäft in Vietnam.

Wie unterstützen Sie bei SOLWODI die Kinder der Frauen, die Sie beraten?


Wenn eine Mutter in ihr Land zurückkehren möchte, überlegen wir mit ihr zusammen, wie die Kinder im Herkunftsland unterstützt werden können, damit sie sich integrieren können. Wir können beispielsweise die Schulgebühren für eine Weile bezahlen, bis die Mutter sie selbst tragen kann. Wenn die Mutter eine Ausbildung angefangen hat, können wir die Kinderbetreuung übernehmen. Und eine Kinderbetreuung gibt es auch hier in Deutschland, während die Mutter an den reintegrationsvorbereitenden Maßnahmen teilnimmt.
 

Wie können andere von den jahrzehntelangen Erfahrungen SOLWODIs in der Rückkehrberatung profitieren?


Seit einigen Jahren führen wir Fachtagungen durch, die auf sehr große Resonanz stoßen. Dort finden auch intensive Diskussionen statt und es gibt ein großes Interesse daran, die Lebenswege unserer Klientinnen kennenzulernen und mehr über die Situation in deren Herkunftsländern zu erfahren. Die Besucher und Besucherinnen interessiert aber auch, wie wir arbeiten, also wie es gelingen kann, dass jemand, der in sein Herkunftsland zurückkehren möchte oder muss, dort wieder Fuß fasst.


Die Ausstellung soll nach Bonn noch an weiteren Orten in Deutschland zu sehen sein. Wanderausstellungen werden hier angekündigt.
Wer möchte, kann sich die Ausstellung auch virtuell anschauen unter: www.solwodi-ausstellung.de.

Stand: 10/2022

Die Ausstellung ist wichtig, um Sensibilität für unsere Klientinnen und ganz allgemein für geflüchtete Menschen zu schaffen.
Gudrun Angelis

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